Spaß mit Politik und Satire

Manchmal arbeiten Redakteure länger an Schlagzeile und Einleitung als am restlichen Artikel. Grund dafür ist die Tatsache, dass viele Leser nur Einleitung und Schlagzeile lesen. So lautete eine der vielen Erkenntnisse unserer Diskussionsveranstaltung vom letzten Montag. Diese Unsitte gilt nicht für Artikel der Sektion Mur. Ihr solltet also lieber weiterlesen. So gut ist der Titel nämlich nicht.

Am 12. Dezember veranstalteten die Sektion Mur und der VSSTÖ gemeinsam eine Diskussionsveranstaltung mit dem Titel „Politik und Satire – wie weit darf man gehen?“. Dabei war das Podium prominent besetzt. Den etwas mehr als 100 Besuchern konnten wir im Heizhaus der Universität Graz die Grazer Poetry-Slam Legende Mario Tomic, die Journalistin Verena Schaupp und den Gründer des berühmten Satire-Mediums „Tagespresse“ Fritz Jergitsch vorstellen. Moderiert wurde die Veranstaltung vom JG-Landesvorsitzenden, Grazer Gemeinderatskandidaten und Sektion Mur-Urgestein Mustafa Durmus.

Nach einleitenden Worten der SPÖ-Jungkandidatin Anna Robosch, stellten sich die Diskutanten und Diskutantinnen einem Word Rap, bei dem sie ganz spontan ihre ersten Eingebungen zu Wörtern wie „Zensur“ oder „Politik“ sagen mussten, was schon für die ersten Lacher sorgte. Danach begann eine Diskussion, die spannend und lustig war. Tomic, der kein Blatt vor den Mund nahm, wies auf die politischen Aspekte des Poetry-Slams hin und bezeichnete diese Kunstform als fünftes Hip-Hop Element. Dass Poetry-Slam auch eine politische Dimension hat steht für ihn außer Frage. Seine umstrittenen Texte, in denen es unter anderem auch um Gewalt gegen gewisse Politiker ging, verteidigte er mit dem Hinweis auf die Freiheit der Kunst.

Jergitsch berichtete ausführlich über die Entstehungs- und Erfolgsgeschichte der „Tagespresse“ und erzählte einige interessante Details aus seinem Arbeitsalltag. Besonders laut gelacht wurde als Jergitsch Reaktionen der ÖstereicherInnen auf Artikel in der Tagespresse erzählte. Bis heute ist es nämlich gang und gäbe, dass seine Werke ernst genommen werden. Das Spektrum derjenigen, die sich durch die Tagespresse angegriffen fühlen, reicht dabei von Bastelvereinen bis hin zu meist rechten Politikern. Generell bescheinigte er linken Politikern eine größere Selbstreflexionsgabe. Durchaus kritisch sah er den Einsatz von Fake-News für politische Zwecke. Verstörend war auch die Tatsache, dass viele Leser der „Tagespresse“ einen neu erschienenen Artikel „liken“, noch bevor sie ihn gelesen haben. Dieser Umstand sagt einiges über die Kurzlebikeit der heutigen Zeit und die Gefahren der Verdummung durch Facebook aus.

Einig waren sich alle DiskussionsteilnehmerInnen in ihrer Ablehnung von Zensur. Im Satirebereich darf es ebenso wie im so genannten „ernsten“ Journalismus keine Zensur geben. Dazu merkte Schaupp jedoch an, dass beispielsweise über Selbstmorde nicht berichtet wird. Unmoralische Angebote in der einen oder anderen Form gab es sowohl für Schaupp als auch für Jergitsch. Beide blieben aber ihrem journalistischen Ethos treu und lehnten (laut eigener Aussage) ab.

Gegen Ende der Veranstaltung stellte das Publikum zahlreiche Fragen. Diese und deren Antworten sorgten für weiteres Lachen im Publikum. Aber auch die lustigsten eineinhalb Stunden müssen einmal zu Ende gehen.

Alles in allem war die Veranstaltung eine gelungene Mischung aus Spaß und Ernst. Das war auch gut so, denn gerade angesichts der politischen Lage in der heutigen Zeit braucht der Mensch Humor.

Wir von der Sektion Mur planen bereits weitere Veranstaltungen im Jänner und freuen uns schon jetzt auf euer Interesse und euer Kommen!

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