Die Vision eines sozialdemokratischen Steuersystems

Unter dem Titel „Faire Steuern“ plakatierte die FPÖ im Wahlkampf den Slogan „Erbschaftssteuer ist unfair“. Dies als Reaktion auf die Pläne der SPÖ, Vermögen ab einer Million Euro beim Übergang auf die Erben geringfügig zu belasten. Bei diesem Thema waren sich die Regierungsparteien also von Anfang an einig. Fairness sieht unter Schwarz-Blau so aus: Die größten Vermögen und Einkommen werden am stärksten entlastet, Geringverdiener und Arbeitslose zahlen drauf. Bei den Plänen zur Abschaffung der Körperschaftssteuer auf nicht entnommene Gewinne wird die neue „Steuergerechtigkeit“ am besten sichtbar: Als Gegenleistung für ihre Wahlkampfspenden werden die Wirtschaftseliten des Landes mit einem Steuergeschenk entlohnt, das mit Kürzungen im Sozial- und Gesundheitssystem auf Kosten der Allgemeinheit ermöglicht wird.

Faire Steuern

Wir stellen dem Irrweg der Regierung unsere eigenen sozialdemokratischen Ideen entgegen. In einer Zeit, in der in allen Industrienationen die Mittelschicht schrumpft, während die Vermögen einer winzigen Elite immer schneller wachsen, muss die Entlastung der arbeitenden Bevölkerung bei gleichzeitigem Abbau der Vermögenskonzentration im Fokus eines gerechten Steuersystems stehen. Ohne aktive Umverteilung wird die Macht der Reichsten immer größer. Dies führt nicht nur zu einer instabilen Wirtschaft, sondern zerstört schlussendlich auch die Demokratie. Wirtschaftliche Macht kann leicht in politische Macht umgesetzt werden, Medieneigentum und Parteispenden waren bei der letzten Wahl zumindest mitentscheidend. Hohe Ungleichheit führt darüber hinaus zu steigenden Raten bei Kriminalität, Kindersterblichkeit und psychischen Erkrankungen (unter anderem) während die durchschnittliche Lebenserwartung sinkt. Gesamtgesellschaftlich betrachtet ist übertriebener Reichtum also ein ebenso großes Problem wie extreme Armut. Anders gesagt handelt es sich dabei um zwei Seiten der gleichen Medaille.

Das progressive Einkommenssteuersystem in Österreich ist eine soziale Errungenschaft, bei der die Beiträge zum Gemeinwohl von der wirtschaftlichen Kraft jedes Einzelnen abhängen. Wir sind für eine Beibehaltung des Spitzensteuersatzes von 55%. Experimente mit höheren Steuersätzen für Millioneneinkommen etwa in Frankreich waren nur mäßig erfolgreich und haben kaum Einnahmen abgeworfen. Wir sprechen uns im Bereich der Sozialversicherung für die Abschaffung der Höchstbemessungsgrundlage aus, da diese große Einkommen bevorzugt.

Steuerpolitik ist eines der wichtigsten Instrumente zur Herstellung von sozialer Gerechtigkeit. Da das wahre Problem heute nicht die Einkommens-, sondern die Vermögensungleichheit ist, steht für uns die Besteuerung der größten Vermögen im Mittelpunkt eines modernen, sozialdemokratischen Steuersystems. Vor allem eine progressive Erbschaftssteuer könnte helfen die extremsten Ungleichgewichte abzubauen, ohne dabei stark in die Eigentumsfreiheit der Bürger einzugreifen. Dabei sollten erst Vermögen von einer Million Euro beim Erbgang besteuert werden. Da das reichste Prozent der Österreicher bereits fast die Hälfte des Gesamtvermögens besitzt, können mit progressiven Steuersätzen trotzdem hohe Einnahmen erzielt werden. Diese könnten etwa eine Verringerung der Lohnsteuern, einen Ausbau des Sozial- und Bildungssystems oder eine Verringerung der Arbeitszeit bei vollem Lohnausgleich gegenfinanzieren.

Um faire Steuern zu ermöglichen, ist eine Schließung von Steueroasen und anderen Steuerschlupflöchern unumgänglich. Hier müssen Mittel und Wege gefunden werden, um den Tricks, die vor allem von Großkonzernen und Superreichen verwendet werden, einen Riegel vorzuschieben. Dafür braucht es in erster Linie politischen Willen, der vielfach nicht vorhanden ist – vor allem wenn es um wichtige Handelspartner oder Verbündete geht. Rechtlich gibt es dagegen viele Möglichkeiten, Steuerflucht zu verhindern. Im Bereich Onlinehandel schlagen wir etwa eine Besteuerung der Umsätze und der Gewinne im Zielland vor. So würde jede Lieferung nach Österreich auch in Österreich besteuert werden. Jedoch wird kein Land alleine dieses Problem lösen können. Die EU, der Zusammenschluss einiger der größten Wirtschaftsmächte der Welt, könnte dagegen substanziellen Druck zur Schließung von Steuerschlupflöchern und Verhinderung von Steuerflucht ausüben.

Europäische Zusammenarbeit

Dementsprechend wichtig ist uns eine europäische Perspektive auf das Thema Steuern. Steuerwettbewerb ist heute eine Abwärtsspirale die langfristig zur Verarmung der öffentlichen Hand führt. Niedrige Steuern in Nachbarländern werden von neoliberalen Politikern gerne als Vorwand für die angeblich alternativlose Senkung der Steuern im eigenen Land genommen. Die Fakten sprechen aber eine andere Sprache: Österreich als Hochsteuerland ist wirtschaftlich sehr erfolgreich, global betrachtet lassen sich Zusammenhänge zwischen niedrigen Steuersätzen und wirtschaftlichem Erfolg nicht nachweisen. Schwarz-Blau versucht die Taktik des Steuerwettbewerbs auf die Spitze zu treiben und nun sogar auf Bundesländerebene umzusetzen. Wir sind dagegen für eine EU-weite Vereinheitlichung derjenigen Steuersätze, die besonders anfällig für Steuerwettbewerb sind.

Die EU sollte bei Zöllen einen eigenen Weg gehen. Statt unilateraler Strafzölle gegen gewisse Staaten, wie sie von den USA unter Trump forciert werden, sollte ein objektives Zollsystem entwickelt werden, welches Produkte aus ausbeuterischen Betrieben sowie umweltschädigender Produktion besteuert. Dafür müssten Standards für sämtliche Handelspartner definiert und überwacht werden. Unterschreitet ein Betrieb z.B. einen arbeitsrechtlichen Standard, wird das Produkt bei der Einfuhr in die EU mit einem Zoll belegt, der unrechtmäßige Wettbewerbsvorteile wieder wett macht. Dadurch könnte ein freier und nachhaltiger Handel, der auf objektiven Kriterien basiert, forciert werden.
Wir sind für die schnellstmögliche Umsetzung der Finanztransaktionssteuer in Zusammenarbeit mit so vielen EU-Staaten wie möglich. Nach der Wirtschaftskrise 2008 waren selbst viele konservative Politiker der Meinung, dass ein außer Kontrolle geratenes Finanzsystem durch diese Steuer stabilisiert werden könnte. Inzwischen ist der große Crash in weite ferne gerückt und die Stimmen der finanzkräftigen Geldgeber übertönen wieder die Stimmen der Vernunft. Diese Steuer würde aber nicht nur für Stabilität sorgen, da sie den Handel im Milli-Sekundenbereich bändigen könnte, sie würde außerdem endlich einen Beitrag von den Akteuren der Finanzwelt einfordern. Nachdem die öffentliche Hand durch Bankenrettungen schwer belastet wurde, wären die Einnahmen aus der Finanztransaktionssteuer ein Beitrag zur Gerechtigkeit.

Ökosteuern

Vielen Menschen wurde durch die Wetterextreme in diesem Jahr erstmals bewusst, dass der Klimawandel keine düstere Zukunftsmusik ist, sondern hier und jetzt Einfluss auf unser aller Leben hat. Um gegenzusteuern muss Österreich Vorreiter bei CO²-Steuern werden. Die Folgekosten von vielen Produkten sind heute nicht im Preis inbegriffen. Als Sozialdemokraten muss uns klar sein, dass diese Kosten früher oder später von der öffentlichen Hand, also der Allgemeinheit getragen werden müssen, während heute hohe Profite mit umweltschädigenden Produkten oder Dienstleistungen gemacht werden. Die Gewinne werden also wie so oft privatisiert, die Folgekosten uns allen umgehängt. CO²-Steuern sind ein Weg um hier zu einer Kostenwahrheit zu kommen. Klarerweise müssen die sozialen Folgen solcher Steuern vor ihrer Einführung untersucht und dann abgefedert werden.

Der Flugverkehr wird steuerlich großzügig bevorzugt. Anders als auf Benzin wird auf Kerosin nämlich keine Mineralölsteuer fällig. Dabei ist der Flugverkehr einer der größten Verursacher des Klimawandels. Airlines werden auf Kosten des Klimas subventioniert, dem Staat entgehen etwa 200 Millionen Euro im Jahr. Zusätzlich wurde Anfang 2018 auch noch die Flugticketabgabe halbiert, die ohnehin nur einen sehr kleinen Teil des Steuerausfalls kompensiert hat. Wir sprechen uns daher kurzfristig für die Anhebung der Steuern auf Kerosin auf das Niveau anderer Treibstoffe aus. Langfristig sollte eine CO²-Steuer die wahren Kosten des Flugverkehrs abbilden.

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